Vorschau und Leseprobe

                     Einen ersten Auszug aus dem zweiten Band kannst du hier lesen

 


Der zweite Band ist schon in Arbeit. Wenn ihr weiter schön neugierig seid, könnte auch noch ein dritter folgen. Mal sehen.

Hier waren ein paar Ausschnitte aus dem ersten Band zu lesen. Wenn ihr auf den Link von BoD geht gibt es noch mehr davon.

Jetzt gibt es auch ein paar Seiten des zweiten Bandes zum Reinschnuppern, der ist dann nicht mehr orange und setzt die Abenteuer unserer Helden aus dem ersten Band fort. 

 

 

                             Der fünfte Auszug aus Band 2 

 

Kai blieb gelassen: „Vielen Dank für so viel Aufmerksamkeit. Ich beantworte alle Fragen wie bei einer Pressekonferenz. Frau Walz, bitte sie zuerst.“ Lisa war etwas überrascht.
„Ich bin Lisa, das Frau Walz kannst du weglassen. Was hat Hanno noch so alles außer seinem Autokauf angestellt, wo ihr am Mateo River wart?“

„Darüber darf ich nicht sprechen, bitte die nächste Frage.“

„Stimmt es, dass du damals an Vivien ran wolltest?“

„Ja das stimmt, aber ich war für sie eine Nummer zu groß.“ Vivien schnaufte hörbar durch die Nase, sagte aber nichts.

„Ist deine Freundin Tina ein Vivienersatz?“ Tina verstand kein Wort Deutsch, das war in dieser Situation kein Nachteil. Vivien gab Lisa einen kleinen Klaps auf die Schulter und entschuldigte sich bei Kai. „Sieh´ es bitte der jungen Dame nach, sie wäre damals so gern mitgekommen und durfte nicht. Sie hat deswegen einen sehr großen Informationsnachholbedarf.“

„Ok. Letzte Frage: was ist mit deinem Bruder Martin?“

„Was soll mit ihm sein? Nichts. Ihm geht es gut und er macht sich prächtig als Flugschüler.“

„Dann frage ich genauer: Warum ist er nicht hier?“

„Er hat heute ein Date. Danach kommt er vielleicht noch vorbei, wenn es nicht zu spät wird.“ Lisa sah man an, dass ihr diese Antwort nicht sonderlich gefiel: „Was für ein Date?“

„Eines was ihm sehr wichtig ist und was ihm auch sehr nahe geht.“
„Verstehe! Keine weiteren Fragen.“

Tatsächlich hatte Martin heute seine mündliche Prüfung in dem Fach „internationaler Funkverkehr“. Das konnte Lisa aber nicht wissen und Kai ließ sie gern etwas schmoren. Er wusste natürlich, dass sein Bruder inzwischen fertig sein müsste und sicher bald hier erscheinen würde. Lisa war ihm beim letzten Treffen aufgefallen und sie hatten lange miteinander geredet. Zu lange, um zu glauben, dass es sich hier nur um einen Höflichkeitstalk handelte. Kai wusste aber nicht, dass die beiden in der Zeit zwischen den Treffen gelegentlich Kontakt über WhatsApp hielten. Kaum zehn Minuten später kam Martin zur Tür hinein. Seine Tasche warf er auf die Sitzbank, die sich durch den gesamten Raum an der Wand langzog und an der die Tische in einer Reihe aufgestellt waren. „Schampus für alle!“, brüllte er durch den Raum, „ich habe gerade eine schwere Prüfung bestanden.“ Lisa zeigte sich erfreut ihn zu sehen und begann sofort ihn zu necken: „Bestanden? Ist das nicht eine Vier?“

„Die jungen Dinger von heute haben keine Ahnung. Bestanden ist gut und gut ist eine Zwei!“ ging Martin lautstark auf Lisas Provokation ein. Kai bremste ihn etwas mit leiserer Stimme: „Lieber kleiner Bruder, wir freuen uns, dass du es geschafft hast, aber schalte jetzt bitte einen Gang herunter!“

„I Sir!“, ließ er noch vernehmen und sank auf seinen Stuhl herab.

„Was ist mit dem Schampus?“ Knüpfte Lisa an das Gespräch an.
„Kommt sofort! Darfst du denn schon solche Sachen für Erwachsene trinken?“ Dieser Satz brachte Lisas Zündschnur zum Glühen. Sie hatte immer das Gefühl gehabt, dass sie als die Jüngste unter den Mitstreitern nicht besonders ernst genommen wurde. Jetzt hatte einer die Stirn, ihr das ins Gesicht zu sagen. Kai, der erkannte, dass die Situation eskalierte, schritt ein: „Kleiner entschuldige dich bei der Lady. Ich habe dir gesagt, dass du nicht so ein großes Maul haben sollst!“ Lisa grinste ihn zufrieden an. Sie hatte diese Runde gewonnen und Martin war in die Schranken gewiesen worden. Er hatte wohl eingesehen, dass er einen Schritt zu weit gegangen war, ging zu Lisa an den Tisch und entschuldigte sich sehr höflich: „Ich war noch so aufgeregt wegen der Prüfung, deswegen!“

Lisa heuchelte Mitgefühl: „Macht nichts Kleiner. Wenn einer so selten eine Prüfung besteht, dann muss man Verständnis haben, dass er nicht richtig damit umgehen kann. Mich hebt das nicht mehr an. Ich hatte dieses Jahr Abiprüfungen. Da musste ich sechsmal mündlich ran. Niemand hat mir deswegen etwas angemerkt“, entgegnete sie schnippisch, warf den Kopf in den Nacken, dass die Haare flogen und wandte sich wieder den anderen zu.
Martin setzte sich wieder neben Bruder Kai. „Wenn ich gewusst hätte, was die für eine Zicke ist, hätte ich ihr nicht immer wieder geschrieben.“
„Ich denke, da bist du nicht ganz unschuldig. Ich hoffe, dass ihr euch morgen wieder in die Augen sehen könnt“, beendete Kai die kleine Auseinandersetzung. Martin überwand seinen Stolz und brachte Lisa ein frisch sprudelndes Glas Champagner auf einem kleinem Silbertablett. Er sagte nichts und hielt es ihr hin. Lisa war gerührt von der plötzlichen Wendung, nahm das Glas und gab Martin einen kleinen Kuss auf die Wange. „Danke.“

Zum Schluss ergriff Kai noch einmal das Wort. „Liebe Leute, bevor wir uns wieder in alle Winde zerstreuen, möchte ich euch noch etwas mitteilen. Ich habe meinen Job bei Aero-Trans gekündigt. Übermorgen startet meine letzte Amtshandlung, indem ich eine Piper von Rio nach Arica schaffe. Dann setze ich mich in meine Oma Käthe und fliege über drei Tage hierher und stelle sie in einem der Schelter unter. Martin hatte heute deswegen seine Prüfung, weil wir die Schule in Arica verlassen und hierher umziehen. Er macht dann seine Ausbildung hier fertig. Wir haben auch schon eine kleine Wohnung am Stadtrand, etwa eine Stunde von hier.“ Ungläubiges Schweigen.

Als erste fing sich Vivien: „Kai, du erstaunst uns immer wieder. Ist das wahr oder ist das wieder so eine Räuberpistole von dir?“
„Liebe Vivien, du weißt, dass alles was ich erzähle die reine Wahrheit ist. Heute ist das nicht anders. Ich hatte schon länger vor in die Nähe von Tina zu ziehen. Vorigen Monat hat sich da etwas ergeben, arbeitsmäßig meine ich. Ich kann ab Mai eine Fluglehrerstelle in Rio bekommen. Das heißt ich habe sie schon. Ab Mai muss ich dort antreten. Die Flugschüler sind meist recht wohlhabende Leute, sodass mein Honorar dann fast doppelt so hoch ist wie in Arica. Mein Arbeitgeber erlaubt mir sogar, hier mit einzusteigen und private Flugstunden zu geben, allerdings nur für eingeschriebene Campteilnehmer. Kurz gesagt heißt das:  Ich kann hier ab nächsten Monat mehr Aufgaben übernehmen. Und dann noch etwas: Die Flugschule verkauft zwei Jeeps. Ich habe sie mir angesehen und sie erst einmal geblockt. Wenn ihr wollt, kaufe ich sie. Jeder soll eintausend Dollar kosten. Für unsere Crossbahn wären sie ideal. Ich habe schon mit Herrn Silva gesprochen, dass wir die Breite der Pisten dafür noch etwas vergrößern müssen.“
Silva hatte seinen Namen wie durch einen Schleier vernommen und nahm „Hab-acht-Stellung“ ein. „Wer spricht mit mir?“, fragte er mit leicht lallender Stimme.

„Ich lieber Matheus! Ich habe gerade von der Crossbahn und den Jeeps gesprochen.“

„Oh, ja verstehe. Wir verbreitern die Jeeps und kaufen die Crossbahn. Alles klar! Ich lege mich wieder hin.“

Bert hatte noch einen Beitrag dazu: „Wo wir gerade bei unserem Architekten Matheus Silva sind: Wir haben uns überlegt, was wir mit dem Riesenrad anfangen könnten. Matheus hat vorgeschlagen, wir verschweißen alle beweglichen Teile und nutzen das Gerät als Klettergerüst. Auf der einen Seite geht die Seilschaft über die Kabinen hinweg nach oben und auf der anderen wieder hinunter. Silva hat gerade nicht auf Empfang geschaltet, deswegen muss ich euch das erzählen. Was sagt ihr dazu? Kai du wolltest…“
„Ja ich wollte..., danke. Coole Idee, da brauchen wir die Dinger nicht auf den Schrott geben und für meine Oma Käthe wird Platz im Schelter. Ich sehe nur ein Problem: Wir haben keinen, der sich in Alpinistik auskennt.“
Bert sah das nicht als Problem an: „Da schicken wir eine oder einen zum Lehrgang. Da findet sich sicher jemand. Wie ist das mit deinem Bruder Kai oder Lisa mit dir?“ Lisa winkte ab. "Ich habe Höhenangst, da musst du dir jemand anderes suchen.“ Martin war gerade nicht momentan. Er musste schnell mal den Raum verlassen, wurde aber in Kürze wieder erwartet.

Kai antwortete für ihn: „Frag´ ihm bitte selbst, wenn er wieder hier drin ist. Ich könnte mir vorstellen, dass ihm das interessiert. Höhenangst hat er jedenfalls keine. Sonst wäre der Job als Pilot auch nichts für ihn.“

Martin kam herein, während er noch seine Sachen richtete. Der Reißverschluss hatte den Oberhemdzipfel erwischt und wollte ihn nicht wieder hergeben. Es erforderte alle Kraft des Besitzers die beiden voneinander zu trennen. Die restlichen Gäste verfolgten das Geschehen mit einem heiteren Interesse.

Kai durfte als Bruder Dinge sagen, die den anderen zwar auf der Zunge lagen, ihnen aber nicht zustanden: "Sei froh, dass der Reißer bloß deinen Hemdzipfel erwischt hat!“ Am lautesten lachte Lisa. Martin quittierte das mit einem genervten Blick. Seinem Bruder sandte er einen „Daumen hoch“ durch den Raum.